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Litzelstetten mit Mainau - lebenswert

10.10.2012 (dr) Demografische Entwicklung für Litzelstetten - Weniger, älter, "bunter"

Der demografische Wandel macht auch vor Litzelstetten keinen Halt. Mit dieser Feststellung hatte Ortsvorsteher Heribert Baumann die rund 30 interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einem Informationsabend über die statistische Entwicklung des Teilortes in der Grundschule begrüßt. Und im Laufe der gut eineinhalb Stunden Präsentation und Diskussion wurde diese These mit klaren Daten und Fakten untermauert.

Vom Hauptamt der Stadt Konstanz war aus der Fachgruppe Statistik und Steuerungsunterstützung Herr Eberhard Baier mit zwei weiteren Mitarbeitern nach Litzelstetten gekommen, um die expliziten Zahlen für den Vorort aus der Bevölkerungsvorausrechnung bis 2030 vorzustellen. Auf Grundlage der Prognosen über Geburten und Sterbefälle, über Zu- und Wegzüge sowie über den geplanten Wohnungsbau lasse sich eine Abschätzung für die nächsten 20 Jahre treffen, erläuterte Baier. Zwischen zwei Szenarien, die entweder 100% beziehungsweise 55% der angedachten Baumaßnahmen als realisiert sehen, wird für die Statistik der Mittelwert als drittes Szenario herangezogen.

Litzelstetten unterscheidet sich in seiner demografischen Entwicklung in einigen Punkten merklich von der der Kernstadt. Insgesamt wird dem Teilort bis 2030 ein sehr langsamer Rückgang der Bevölkerung von derzeit gut 3800 auf dann 3300 Einwohner prognostiziert. Gleiches gilt für Konstanz: Hier bleiben die Zahlen sogar nahezu konstant. Verantwortlich dafür ist unter anderem auch der ständig zu erwartende Zuzug von Studenten. Im Augenblick stellt die Altersgruppe der 35- bis 65-Jährigen in Litzelstetten den größten Bevölkerungsanteil (1593 Einwohner, Stand jeweils 31.12.2011). Im Vergleich zur Gesamtstadt wird in Litzelstetten bis 2030 die Zahl der 18- bis 25-Jährigen prozentual anteilig geringer sein, dafür wird im Ort die Anzahl an Einwohnern über 65 Jahre über dem gesamtstädtischen Durchschnitt liegen.

Den größten Verlust wird Litzelstetten unter den 35 – 65-Jährigen erfahren: Hier wird es 2030 wohl rund 330 Personen weniger geben als heute. Die Zahl der über 75-Jährigne steigt dagegen um etwa 150% im Vergleich zu heute, ein Zuwachs von 200 Einwohnern. Eberhard Baier fasst für Litzelstetten den Trend wie folgt zusammen: Die Bevölkerung im „Dorf“ werde weniger, älter und „bunter“ – wobei sich Letzteres insbesondere auf die soziologischen Strukturen beziehen lässt.

Für die Interpretation der Werte war unter anderem Frau Claudia Landau von der städtischen Altenhilfeberatung anwesend. Sie formulierte die Herausforderung für jeden Einzelnen, „das Alter zu gestalten“. Das Älterwerden komme nicht plötzlich und auch eine Zunahme an alten Menschen bedeute für eine Gemeinde nicht zwingend, von Problemen ausgehen zu müssen. Für Litzelstetten sei die Perspektive diesbezüglich insgesamt gut: Schon heute verfüge der Teilort über eine im Vergleich überaus aktive Infrastruktur und Nahversorgung, Fußläufigkeit für ältere Personen sei gewährleistet. Die Aufgabe sei es, diesen Zustand so gut wie möglich zu erhalten, sagte Landau auch im Hinblick auf den Ortschaftsrat.

Durch die Nachbarschaftshilfe sei ein ansehnliches niederschwelliges Angebot ausgebaut, langfristig sei man gefordert, eine 24 Stunden-Betreuung für Pflegebedürftige auch außerhalb der klassischen Pflegeheime und der Wohnung zu gewährleisten. Hierfür seien neue Konzepte vorgesehen, Litzelstetten bringe als aktive Gemeinde aber beste Ausgangsvoraussetzungen mit. Die Beteiligung der Bürger an der Gestaltung dieser Rahmenbedingungen und der Umsetzung halte sie für überaus sinnvoll, so erklärte Landau.

Für den Kinder- und Jugendbereich fasste Frau Bettina Mohr vom Sozial- und Jugendamt zusammen, dass für Litzelstetten und die Stadt Konstanz eine gute Bedarfsplanung vorgenommen worden sei. Die zwei derzeitigen Tageseinrichtungen, der katholische und städtische Kindergarten, bieten augenblicklich 126 Plätze. Nach dem Ausbau des katholischen Kindergartens werde sich diese Zahl auf 134 erhöhen. Besonders eng werden könnte es aber in der Betreuung von unter 3-Jährigen, für die ab nächstes Jahr ein Anspruch auf einen Kita-Platz besteht. Problematisch sei aus ihrer Sicht der Ausbau an den Altersstrukturen, so Mohr. Gleichzeitig versicherte sie aber, dass ein späterer Rückgang der Kinderzahlen nicht zu leer stehenden Gebäuden führen werde. Man werde die Angebotsgestaltung dynamisch vornehmen, was sich unter anderem an der schwankenden Zahl der Kinder pro Betreuungsgruppe zeige. Man werde sich zudem auf immer mehr „studentische Kinder“ einstellen müssen – Kinder im Alter bis zu 3 Jahren von Studenten, die oftmals nur über kurze Zeit in der Stadt blieben. Aus den Erweiterungsmaßnahmen erhoffe sie sich vor allem die Einrichtung neuer Ganztagesplätze, sagte Mohr abschließend.

Aus dem Stadtplanungs- und Umweltamt (ASU) war Frau Mechthild Kreis präsent. Sie verwies darauf, dass derzeitig an der Schaffung weiterer Gewerbestandorte gearbeitet werde. Der Zusammenhang zwischen Alter, Wohnraum und Arbeitsmarktsituation sei offensichtlich, daher müsse sich Konstanz auch weiterhin als Oberzentrum einer Region sehen, die auch Kreuzlingen und Singen nicht außer Acht lässt. Gerade auf Schweizer Seite dürften erhebliche bauliche Erweiterungen vorgenommen werde, prognostizierte Kreis. Wirtschaftlich gesehen stehe man auch mit der Region Friedrichshafen in Konkurrenz. Hierbei biete der Standortfaktor zur Vereinbarung von Familie und Beruf Chancen, Vorteile für Konstanz zu nutzen. Insgesamt sehe sie auch, dass die Vororte von der Entwicklung der Kernstadt profitieren werden, so Kreis.

Während derzeit noch eine zentrale Marktversorgung in weiten Teilen von Konstanz vorherrsche, strebe man in der Nahversorgung die Dezentralisierung an. Bestehende Angebote auf dem Bodanrück könnten in Kooperation gehen, sagte Kreis am Beispiel des Wallhauser Dorfladens. In den derzeitigen Prognosen sei das Thema „Litzelstetten-Mitte“ noch nicht einberechnet, sagte auch Eberhard Baier. Möglicherweise ergebe diese Entwicklung noch einen positiven Effekt. Gesamtstädtisch habe der Flächennutzungsplan Schwerpunkte zur weiteren Entwicklung vor allem in Wollmatingen gesetzt.

In der abschließenden Diskussion machte Ortsvorsteher Heribert Baumann nochmals deutlich, dass es vor allem die „aktive Generation“ der 35- bis 65-Jährigen sei, an der Litzelstetten Verluste werde hinnehmen müssen. Hierauf müssten die politischen Gremien reagieren. Damit verbunden sei auch, dass die Zahl der Kinder zurückgehe. Aus dem Publikum wurde deutlich, dass neben der Frage nach Wohnraum auch andere Lebensumstände berücksichtigt werden müssten, um das Umfeld der Einwohner einschätzen und ihr Siedlungsverhalten bewerten zu können. Insgesamt herrschte aber große Einstimmigkeit bei der Forderung nach mehr Bebauungsfläche. In diesem Zuge gelte es, so anwesende Ortschaftsräte, auch die bestehenden Schutzgebiete kritisch zu analysieren.

Nach Einschätzung der Fachpersonen gebe es aber keine wesentlichen Lücken in der Flächennutzung, die noch für Neubaugebiete herangezogen werden könnten. Viel eher sei eine Weiterentwicklung des Dorfes in seiner Einheit wünschenswert, was unter anderem auch eine rasche Überarbeitung der Martin-Schleyer-Straße erforderlich macht. Eine Aufwertung und Verkehrsberuhigung seien hier mögliche Schlagworte. Zusammenfassend müsse sich der Ort fragen, wen er ansprechen wolle, welchen Weg die Dorfentwicklung nehmen soll und was an Veränderung nötig und machbar ist, um für Außenstehende und Einwohner attraktiv zu bleiben.

Heribert Baumann verabschiedete die Zuhörer mit Dank und der Hoffnung, durch den Informationsabend einen Dialogprozess angestoßen zu haben, der in der Bevölkerung weitergetragen wird.

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